Zauber der Vesperkirche
Zauber der Vesperkirche

Zauber der Vesperkirche

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Ein Teller als Eintrittskarte

Oder: Der eigenartige Zauber der Vesperkirche

Und wieder zeigt sich: Es braucht manchmal erstaunlich wenig, um Menschen zu öffnen.

Man steht am Eingang der Kirche und sagt einfach „Willkommen“. Und auf einmal geschieht etwas: Gesichter entspannen sich, Augen beginnen zu lächeln, die Anspannung fällt ab.

15:10 Uhr, Treffpunkt an der nicht vorhandenen pinkfarbenen Bank vor der Kirche. Fünf Frauen aus dem Weberei-Förderverein, die sich teils noch gar nicht kennen. Namensschilder, kurze Vorstellungsrunde – dann hinein in eine Kirche, die bereits gut mit Kaffeegästen gefüllt ist.

Wir stehen im Kreis, eine große Gruppe von Helfenden. Pfarrer Salzmann begrüßt uns, die Abläufe werden erklärt. Die Posten sind schnell verteilt.

Der „Dirty Corner“ geht einstimmig an die starken jungen Männer vom Fußballverein. Demokratische Entscheidung. Die Jugend wirkt perplex. Aber dann, Schürze um und los geht’s!

Ich unterstütze Annette K. am Eingang. Meine Aufgabe: Tür auf, Teller in die Hand drücken – „…Willkommen! Das ist ihre Eintrittskarte für einen schönen Nachmittag“, sage ich. Und siehe da: Die Zurückhaltung ist sofort weg, der Kuchen bald auch.

Birgit und Gaby wirbeln im Service, Barbara bringt das benutzte Geschirr zuverlässig in den Dirty Corner, Annette H. ist überall gleichzeitig. Immer wieder treffen wir uns zwischendurch, tauschen ein paar Worte, lernen uns kennen. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Menschen kommen – und gehen auch wieder. Fast alle bedanken sich. Mit einem herzlichen Lächeln. Mit einer kleinen oder größeren Spende.

Ein älterer Verler in grünen Arbeitsklamotten bleibt bei mir stehen und sagt:
„Das ist eine tolle Sache. Davon sollte sich unser Pastor mal ’ne Scheibe abschneiden. Der hält da nämlich nicht so viel von.“ Ich antworte: „Dann bringen Sie ihn doch einfach mit.“ Er quittiert mit einem schallenden Lachen. „Der war gut. Der war gut.“ Und zieht gutgelaunt von dannen.

Viele kommen zum Haareschneiden. Viele Kinder. Ich verteile Coupons und verpflichte Groß und Klein, sich nach dem Schnitt noch einmal bei mir zur Ansicht vorzustellen. Und tatsächlich: Alle kommen zurück.
Die Kinder stolz mit rasierten Seiten, geschnittenen Spitzen, die Frauen drehen sich lächelnd, zeigen ihre neuen Frisuren. Begeisterung pur.

Was für eine gelungene Aktion. Großes Lob an die Friseurinnen und Friseure!

Und genau das nehme ich mit nach Hause:

Die Erinnerung an offene, lachende Gesichter von Menschen, die ich vorher nie gesehen habe. Das Wiedererkennen von Menschen, die ich lange, lange nicht gesehen habe. Kinder, die aufmerksam zuhören. Der kleine Junge, der in jeder Kirche immer die Glocke sehen will.  Kurze Gespräche. Echtes Interesse. Man ist in Kontakt.

Sehen und gesehen werden – im wahrsten Sinne des Wortes!

Es braucht doch nicht viel, oder?

Der Zauber der Vesperkirche

Man steht am Eingang der Kirche und sagt einfach „Willkommen“. Und plötzlich geschieht etwas: Gesichter entspannen sich, Zurückhaltung verschwindet, Augen beginnen zu lächeln.

15:10 Uhr, Treffpunkt an der nicht vorhandenen pinkfarbenen Bank. Fünf Frauen aus dem Weberei-Förderverein, Namensschilder, ein kurzes Kennenlernen – dann hinein in eine Kirche voller Leben, Kaffee und Gespräche.

Die Aufgaben sind schnell verteilt. Kaffee und Tee gibt’s reichlich, Kuchen ist dann leider viel zu schnell, aus. Egal.

Es wird gelacht, serviert, gespült, Haare werden geschnitten. Kinder kommen stolz mit neuen Frisuren zurück, Erwachsene bedanken sich mit einem herzlichen Lächeln.

Es wird viel gelacht. Zwischendurch kurze Gespräche, herzliche Dankesworte, echte Begegnungen.

Was bleibt, sind offene Gesichter und das Gefühl:
Es braucht nicht viel.

Und da ist er wieder –
der eigenartige, wunderbare Zauber der Vesperkirche.

Christiane

 

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